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Bilanz der Polizei zum Chiemsee-Reggae-Festival   

 
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Stephan
Administrator
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Anmeldungsdatum: 31.01.2005
Beiträge: 1654
Wohnort: Schönau am Königssee

BeitragVerfasst am: Mo, 17. Aug. 2009 22:26    Titel: Bilanz der Polizei zum Chiemsee-Reggae-Festival

ÜBERSEE, LKR. TRAUNSTEIN. Die Bilanz der Polizei zum diesjährigen Chiemsee-Reggae-Festival fällt in der Gesamtbetrachtung in weiten Teilen sehr positiv aus. Die Veranstaltung mit 25.000 Besuchern verlief insgesamt ausgesprochen friedlich. Sehr erfreulich ist auch der deutliche Rückgang der übermäßig alkoholisierten Jugendlichen. Zugenommen haben dagegen die Verstöße nach dem Betäubungsmittelrecht.

Der Trend aus der Halbzeitbilanz hat sich bis zum Einsatzende der Polizei am Montagvormittag erfreulicher Weise fortgesetzt, insbesondere auch im Bereich des Jugendschutzes. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre wurde heuer der Einsatzabschnitt „Prävention“ deutlich verstärkt. Fünf Kollegen auswärtiger Dienststellen und die Sozialpädagogin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd verstärkten das örtliche Präventionsteam. Insgesamt 76 Minderjährige wurden hier betreut. War im vergangenen Jahr das extra aufgestellte Ausnüchterungszelt für Jugendliche fast durchgehend gut belegt, musste heuer 11 „Ausfällen“ und damit vergleichsweise wenigen eine Auszeit verordnet werden. In der letzten Nacht wurde ein 17-Jähriger bewusstlos und mit 2 Promille von den Rettungskräften ins Krankenhaus eingeliefert. Dort erholte er sich offensichtlich rasch wieder, er suchte nämlich kurz darauf das Weite und dürfte wieder zum Festival zurückgekehrt sein. Knapp 50 Jugendlichen wurde eine Meldeauflage erteilt und sofern sie dieser nachkamen, konnten sie weiter am Festival bleiben. Gerade dieses Angebot wurde durchwegs sowohl von den telefonisch informierten Eltern und auch von den Jugendlichen selbst als guter „Kompromiss“ angenommen. Für 18 Jugendliche war diese Lösung nicht angebracht, sie wurden nach Hause geschickt. Zum positiven Trend dürften auch die verstärkte Prävention durch Medienberichterstattung im Vorfeld und der polizeiliche Kontrolldruck zuzuschreiben sein. Ernst genommen wird von den Jugendlichen offensichtlich auch die eingeführte Praxis, bei starker Alkoholisierung die Führerscheinstelle darüber zu informieren. So besteht die Möglichkeit, die grundsätzliche Zuverlässigkeit für die künftige Erteilung einer Fahrerlaubnis zu prüfen. Die von der Gemeinde Übersee festgelegten Auflagen für die Verkaufsstellen im Umfeld des Festivalgeländes bezüglich der Abgabe von Alkohol an Minderjährige wurden eingehalten, Kontrollen gaben keinen Anlass zur Beanstandung. Die ansonsten erfreuliche „Jugendbilanz“ wird etwas getrübt durch 38 Jugendliche, die durch Drogenbesitz und –konsum aufgefallen waren.

Gut 250 Aufgriffe gab es insgesamt im Bereich des Betäubungsmittelrechts. Zivilfahnder stellten die Verstöße überwiegend am Zeltplatz auf dem Festivalgelände fest. Sichergestellt wurden durchwegs Kleinmengen von Marihuana und Haschisch. Die größten Einzelfunde waren 35 Gramm Marihuana und gut 80 Gramm Haschisch. Die 250 „Betroffenen“ verhielten sich durchwegs kooperativ und friedlich. Bis auf vier Drogenhändler konnten alle zur Anzeige gebrachten Besucher wieder zum Festival zurückkehren. Hartnäckig war lediglich ein junger Franzose. Er war im Laufe der Tage gleich dreimal erwischt worden und musste insgesamt 1.000 Euro Sicherheitsleistung für eine zu erwartende Geldstrafe hinterlegen.

Das sonstige Straftatenaufkommen hielt sich in Relation mit der großen Menschenmenge in Grenzen. 30 Diebstahlsanzeigen gingen ein. Überwiegend waren dabei Geldbörsen, Handys, Fotoapparate, MP3-Player und ähnliches abhanden gekommen. In vielen Fällen hatten die Täter durch offen sichtbar in momentan „unbewohnten“ Zelten liegende Wertgegenstände leichtes Spiel. Sieben mutmaßliche Diebe wurden gestellt und festgenommen. Darunter auch ein junger Mann, der als „Zeltschlitzer“ unterwegs war. Die verschwindend geringe Anzahl von 3 Körperverletzungen war zu bearbeiten. In einem Fall wurde ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes an der Einlasskontrolle von einem Betrunkenen mit der Faust attackiert, nachdem diesem wegen fehlendem Eintrittsbandes der Zugang verwährt wurde. Drei Fälle sexueller Belästigung kamen zur Anzeige und werden von der Kripo Traunstein bearbeitet. Ein unbesetztes Zelt wurde von Unbekannten angezündet und ein Betrunkener beschädigte seine Ausnüchterungszelle im stationierten Gefangenentransportbusses. Die unter Umständen lebensgefährliche Untugend, Gegenstände und Schnüre über die über dem Zeltplatz verlaufende Hochspannungsleitung zu werfen, konnte heuer durch gezielte Überwachung durch den Sicherheitsdienst eingedämmt werden. Zum Veranstaltungsende baumelten zwei Paar zusammengebundene Schuhe an einem der Drähte. Ein während der Festivaltage über dem Gelände schwebender heliumgefüllter Werbeballon im Wert von 2.000 Euro wurde von einem Unbekannten zum Schluss durch Kappen der Leine „in die Freiheit“ entlassen. Der rote Ballon mit einem Volumen von 17 Kubikmeter dürfte noch einige Zeit herumfliegen oder sich irgendwo verfangen.

Das Verkehrskonzept der beteiligten Organisationen ging durchwegs gut auf. An- und Abfahrt der motorisierten Besucher verlief ohne übermäßige Behinderungen. Acht Fahrzeuglenker mussten sich eine andere Fahrgelegenheit suchen. Sie hatten bei Kontrollen aufgrund Alkoholisierung oder Drogenkonsums den Führerschein eingebüßt und eine Anzeige erhalten.

Außerhalb des Festivalgeländes kam es angesichts der Hitze zu großen Menschenansammlungen an der Tiroler Achen. Die Helfer der DLRG überwachten den regen Betrieb an den improvisierten Badestränden am Fluss. Ein „Rauschbruder“ wurde von den Rettungskräften vor größerem Schaden oder gar dem Ertrinkungstod bewahrt. Die Retter hatten den abtreibenden Mann rechtzeitig aus den Fluten gezogen.
Angesichts des bevorstehenden Feiertages und dem darauf folgenden Sonntag kam es am Freitag zu einem regelrechten Sturmlauf auf einen Verbrauchermarkt in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsgeländes. Mittels der sonst nur aus der Verkehrsregelung vor dem Tauerntunnel bekannten Blockabfertigung konnte der Auflauf in den Griff bekommen werden.

Die sanitätsdienstliche Betreuung des Festivals wurde vom Malteser Hilfsdienst Traunstein mit starkem Kräfteansatz, darunter 4 Notärzte, gewährleistet. 1.883 Personen wurden versorgt. Dabei handelte es sich um überwiegend kleinere Verletzungen, Wespenstiche, Kreislaufprobleme und Hitzestaus. 55 Personen wurden zur weiteren Behandlung in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.
Die Feuerwehr Übersee war mit 12 Mann ständig für den vorsorglichen Brandschutz im Einsatz. Erfreulicherweise war nicht viel zu tun. 7 Vorkommnisse, überwiegend technische Hilfeleistungen, waren zu bewältigen.
Der Veranstalter selbst hatte rund 300 Security-Kräfte, am letzten Tag durch ausgeruhtes Personal verstärkt auf 450, im Einsatz.
Das einsatzführende Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hatte in Spitzenzeiten bis zu 130 Beamtinnen und Beamte verschiedener Dienststellen eingesetzt. Die vielen Bahnanreisenden wurde überwacht von starken Kräften der Bundespolizei, am Hauptbahnhof München unterstützt durch die Polizeiinspektion 16.

„Mit dem dank intensiver Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen erreichten hohen Sicherheitsniveau ist auch die Polizei durchaus zufrieden. Darauf werden wir uns jedoch nicht ausruhen, weil: Nach dem Festival ist vor dem Festival“. So resümiert Polizeieinsatzleiter Thomas Kirchleitner nach vier langen Einsatztagen.




Franz Sommerauer
Pressesprecher

_________________
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