Stephan Administrator


Anmeldungsdatum: 31.01.2005 Beiträge: 726 Wohnort: Schönau am Königssee
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Verfasst am: So, 20. Jul. 2008 10:54 Titel: Hans Söllner bei Dauerregen im Schloss Stein
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Ein Hauch von Anarchie weht durch die Luft
Johann Hans Michael Söllner wurde am 24. Dezember (!) 1955 als Sohn von Johann und Therese Söllner in Bad Reichenhall geboren. Mit drei Jahren kam er in den katholischen Kindergarten in Bad Reichenhall, St. Zeno. Von 1961 bis 1970 besuchte Söllner die Hauptschule Bad Reichenhall. Von seinem zehnten bis 14. Lebensjahr war er Mitglied im Trachtenverein Marzoll und musste diesen schließlich wegen seiner langen Haare verlassen.
Soweit, sogut. Wikipedia machts möglich. Ab dem 14. Lebensjahr müssen dann die Dinge ihren Lauf genommen haben und daran hat sich wohl bis zum heutigen Tage nichts geändert. Noch einmal zitieren wir das Online Lexikon: Besonders drastisch wurde das Verhältnis zur Obrigkeit allerdings nach seinem ersten Jamaika-Urlaub im Jahr 1986. Seit seinem Aufenthalt in der Heimat des Reggae hat er sich nämlich auch dem Kampf um die Legalisierung von Marihuana verschrieben.
Hans Söllner lies also bitten, seine Fans, darunter etliche Lebenskünstler, kamen. Vielleicht waren auch ein paar Amtspersonen anwesend, rein dienstlich. Der strömende Regen bot da kein Hindernis. Im Gegenteil: es gab was zu feiern und Hans Söllner bemerkt treffend: Ich freu mich, wenn es Menschen gibt, die noch feiern können. Was gefeiert wurde, war nicht so klar. In jedem Fall ein Fest. Ein musikalisches, aber irgendwie auch ein kleines Fest der Anarchie, ein Fest der Freiheit, ein Fest der Hanfkörner, etwas anderes halt.
Wenn Söllner die Bühne betritt, warten alle auf die Botschaft. Und die Botschaft kommt. Seine Auftritte sind niemals nur Konzert, es sind Kundgebungen, Aufrufveranstaltungen. Kraftvoll und mitunter auch etwas wirr, aber sie, die Botschaft, kommt. Die Stadthalle in Reichenhall gehöre uns allen, schließlich haben unsere Eltern und wir sie ja auch mit unseren Steuern bezahlt, also gehöre sie uns und man könne damit machen was man wolle. Und überhaupt die Ämter seien da doch etwas unklar und unnütz und die Traunsteiner Richter sind sowieso so eine Sache für sich. Die Band spielt im Hintergrund und Söllner sich in Rage, wobei die Rage keine Wut, sondern vielmehr innerste heitere Überzeugung ist. Die Kiffer von Flensburg bis Traunstein würden ja über die Grenzen hinweg nach Traunstein sehen und jeder wisse, was von der Gerichtsbarkeit dort zu halten sei. Und so weiter uns so fort. Ab und an, ein zustimmender Pfiff oder Schrei, alle sind happy zu diesem Zeitpunkt. Schließlich gibt es was zu feiern.
Zwischen den Ansprachen, die kritisch bleiben, in ihrem Unterhaltungswert aber durchaus hoch anzusiedeln sind, spielt Hans Söllner seine vom Reggae geprägte Musik. Eine Musik die eingängig ist und als gutgelaunt bezeichnet werden kann. Begleitet von seiner Band seit 2002 (!) unverändert in der Besetzung Manfred Puchner, Gitarre; Denis Rieger, Bass; Peter Pichler, Akkordeon; Stefan Hofer, Schlagzeug und Stefan Zepf, Keyboard und Orgel, spielt der widerspenstige Söllner mit den widerspenstigen Rastalocken sein buntes Programm, das er von Auftritt zu Auftritt wechselt und das in keine Schublade passt. Während Nena am gleichen Tag in Ingolstadt gemeinsam mit der Traunsteinerin Claudia Koreck zum x-ten Male 99 Luftballons anstimmt, ruft Hans Söllner im Schloss Stein sein Publikum dazu auf, bei der nächsten Gelegenheit die Polizei mit der eingeschalteter Warnblinkanlage zu verfolgen, vorzugsweise am Tag des Warnblinkers.
Söllner spielt und spricht, lacht und versucht eine Art Tanz, der über einen Storchenschritt nicht hinauskommt, aber wen kümmert das schon. Die Botschaft kommt an. Leute passt auf Eure Kinder auf. Geht raus und pflanzt Eure Hanfkörner in die Kreisverkehre dieser Welt, so einer seiner Mitteilungen, begleitet von einem glücklichen Lachen, wie Kinder lachen, wenn sie einen Streich gespielt, aber nicht dabei erwischt wurden. Dieses kehlige Söllner Lachen, welches er auch in seine Lieder mischt. Sturm in Überlänge beispielsweise, lässt regennasse Glücksseligkeit aufkommen und die Lebenskünstler liegen sich in den Armen. Ein Fest, eine Söllner Messe.
So bleibt zu berichten, dass der Söllner wohl in den deutschen Amtstuben nicht sehr wohlgelitten, seine Redebeiträge nicht jedermann genehm, seine Aufrufe durchaus ärgerlich sein mögen seine Musik, seine Leichtigkeit jedoch einnehmend und gewinnend ist. Und so war auch dieses Konzert in der rustikalen Kulisse der Freibühne zu Schloss Stein ein besonderes. Seine neue und erstklassige CD Viet Nam, von der er einige Stücke darbot, wird also einmal mehr eine Spur hinterlassen, einmal mehr eine Botschaft ins Land tragen egal ob es der Obrigkeit recht ist oder nicht.
© Udo Kewitsch, 14.07.08 _________________ Berchtesgadeninfo.de: Urlaub in Berchtesgaden, Ramsau und Königssee http://www.berchtesgadeninfo.de
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